Schlagwort-Archive: KER-Pressemitteilung

Die gescheiterte Inklusion

Die gescheiterte Inklusion

Die Einführung des inklusiven Schulsystems basiert auf der UN Behindertenrechtskonvention. Diese soll Menschen mit Behinderungen helfen am Leben der Gesellschaft gleichberechtigt teilzuhaben und Benachteiligungen zu vermeiden oder ihnen entgegenzuwirken.

Derzeit führt die Inklusion paradoxerweise eher zu Benachteiligungen der Betroffenen und kann so nicht im Sinne der UN Konvention sein. Dieses wurde uns am 02.06.2016, nach einem Gespräch mit unserem ehemaligen Schuldezernenten, der nun im Kultusministerium tätig ist, bestätigt. Die gescheiterte Inklusion weiterlesen

Pressemitteilung 4. März 2016

Haben sich alle nur geirrt?

Im August 2012 starteten flächendeckend im Landkreis Celle die Oberschulen. Dies geschah als Reaktion auf die sinkenden Anmeldezahlen für Hauptschulen und die absehbare demogra-phische Entwicklung. Es ging darum, „jungen Menschen namentlich in der Fläche beste Bildungschancen zu gewährleisten“, so die Kreisverwaltung in ihrer damaligen Vorlage, und weiter: „die Oberschule ist die geeignete Schulform, um die genannten Ziele zu erreichen“. Zeitgleich wurde die Einrichtung einer IGS beschlossen, deren Größe auf Basis einer Elternbefragung später auf 5 Züge festgelegt wurde. Diese Beschlüsse sollten Stabilität in die Schul-landschaft bringen. Jetzt, nur dreieinhalb Jahre später, sollen die Entscheidungen schon wie-der über den Haufen geworfen werden. Haben sich alle damals geirrt, gab es in den letzten dreieinhalb Jahren Entwicklungen, die nicht vorhersehbar waren?

Nein!

Die Demographie im Landkreis Celle, die Einwohner- und Schülerzahl insgesamt haben sich nicht anders entwickelt als im ersten Schulstrukturgutachten festgestellt. Auch die Anmelde-zahlen an der IGS entwickelten sich im wesentlichen so wie im Mai 2013 vorhergesagt: man erwartete aus dem Stadtgebiet pro Jahrgang etwa 140 bis 150 Interessenten, dazu kommen noch die Anmeldungen aus dem restlichen Landkreis (deren Höhe mit etwa 10% (bei regionalen Schwankungen) auch nicht überraschen kann). Im Stadtgebiet haben sich mehr Eltern bewußt und freiwillig für eine Anmeldung ihrer Kinder an einer der Oberschulen entschieden als für eine Anmeldung an der IGS. Warum stellt man das Modell Oberschule nun in Frage? Warum wird eine Oberschule in Celle „wegdiskutiert“?

Der Start der Oberschulen war etwas holprig – die Vorbereitungszeit war kurz, es gab kaum Vorbilder in Niedersachsen, viele trauerten der erfolgreichen Realschule hinterher. Mittlerweile haben die meisten Oberschulen Tritt gefaßt und haben mit viel Engagement individuelle, an die Bedürfnisse der Schülerschaften angepaßte pädagogische Konzepte entwickelt. Den Erfolg der Konzepte kann man aber noch nicht beurteilen, da noch kein Schülerjahrgang die Oberschule komplett durchlaufen hat. Eine Diskussion oder gar Entscheidung über eine Auflösung einzelner Oberschulen ist den Kindern an diesen Schulen und ihren Eltern zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu vermitteln – auch der Wünsche dieser Eltern sind zu berücksichtigen. Frühestens im Sommer 2017 mit den ersten erweiterten Sekundarabschlüssen von echten Oberschülern ist eine erste Bilanz möglich und sinnvoll.

Geben wir doch den Oberschulen diese Zeit, so wie es auch bisher aus dem politischen Umfeld immer wieder gefordert wurde. Warum jetzt diese Hektik?

Die Vorschläge des Gutachters, der in seinem mündlichen Vortrag eine gewisse Eilbedürftigkeit suggeriert hatte, liegen dem Kreiselternrat immer noch nicht schriftlich vor. Eine Stellungnahme ist daher nicht möglich.

Im Raum stehen aber verschiedene Vorschläge zu Errichtung einer oder mehrerer Gesamtschulen. Eine Motivation dafür ist der Erhalt von Standorten, erreicht werden soll dies über die Umwandlung bisher selbständiger Schulen in Außenstellen. Hierfür benötigt man aber keine Gesamtschule – auch Oberschulen haben im Landkreis Celle häufig Außenstellen. Dennoch sind Außenstellen keine erstrebenswerte Lösung, sie stellen für jeden Schulbetrieb eine Belastung dar, unabhängig von der Schulform.

Erwartet man von eventuell neu zu gründenden Gesamtschulen eine signifikant höhere Bindungswirkung von Schülern, die sonst an eines der Gymnasien in der Stadt gehen würden? Falls ja, sind die Auswirkungen auf die Gymnasien zu benennen. Sollen diese Gesamtschulen zu gegebener Zeit auch eine gymnasiale Oberstufe (Sekundarstufe II) erhalten? Zwingend notwendig ist das nicht, aber falls ja, sind die Auswirkungen insbesondere auf die beruflichen Gymnasien zu erörtern (und zwar bevor man die neue Schule einrichtet). Muß man bei einer sehr hohen Bindungswirkung der neuen Schulen zusätzlichen Schulraum bauen? Richtet man an allen derzeit diskutierten Standorten tatsächlich eine Gesamtschule ein gehen auf die vorhandene IGS in Celle nur noch Schüler aus der Stadt Celle – diese IGS kann dann wieder kleiner dimensioniert werden. Für eine Elternbefragung müssen diese (und vermutlich weitere) Punkte ausdiskutiert sein, sonst kann man die Frage und damit auch das Ergebnis wieder in jede Richtung interpretieren – der vermeintlich ermittelte Elternwille würde je nach Interessenlage ausgedeutet.

Vor diesem Hintergrund lehnt der Vorstand des Kreiselternrates die von der Kreisverwaltung vorgeschlagenen Elternbefragungen zum jetzigen Zeitpunkt ab. Die Oberschulen müssen Zeit erhalten, wenigstens ein oder zwei Jahrgänge zu den jeweiligen Abschlüssen zu bringen. Für etwaige Elternbefragungen müssen zuvor die Rahmenbedingungen, unter denen weitere Gesamtschulen eingerichtet würden, ausdiskutiert sein. Das Gesamtbild der angestrebten Schullandschaft muß bei der Abfrage klar erkennbar sein.

Nur in einem einzigen Punkt hat sich die Sachlage in den letzten Jahren deutlich verändert: das niedersächsische Landesparlament hat beschlossen, daß das Abitur wieder generell nach 13 Jahren abgelegt wird. Daraus ergibt sich ab dem Sommer 2020 (wenn erstmalig wieder 13. Klassen geführt werden) ein dauerhaft erhöhter Raumbedarf an den Gymnasien. Die benötigten vier bis fünf Räume je Schule stehen ausweislich der in der Novembersitzung des Schulausschusses veröffentlichten Räumezahlen derzeit an keinem der Gymnasien zur Verfügung – jedenfalls nicht, wenn man „Wanderklassen“ oder Unterricht im „Schichtbetrieb“ (Verlagerung von Pflichtunterricht aus dem Vormittag in den Nachmittag bei späterem Unterrichtsbeginn) ausschließt. Auch diese Thematik muß in die Diskussion über eine in sich schlüssige Gestaltung der künftigen Lehr- und Lernumgebung unserer Kinder eingebunden werden.

Die Weichen, die wir jetzt stellen, beeinflussen die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit des gesamten Landkreises auf viele Jahre. Sorgfalt sollte vor Schnelligkeit gehen, kurzfristige taktische Überlegungen und Hinweise auf die Kassenlage nicht die einzigen Ratgeber sein.

Ronald Bahr

Presseerklärung KER Celle_2016-03-04